Gedanken zur Identität – Valentin Groebner

By Curious About, 21. November 2014

Was genau ist Identität und was hat diese mit dem Identitässuchenden zu tun?

Valentin Groebner stellte an der Storytelling-Konferenz im Neubad Luzern erfrischende Perspektiven zum Thema Identität vor. In seinem 20-minütigen Vortrag «Identität ist nicht immer die beste Idee» zerlegt der Professor für Geschichte mit Schwerpunkt Mittelalter und Renaissance den Begriff Identität und gibt zu bedenken, dass Identität Dinge vereinfacht, «so tut als ob» und ein Hinweis auf einen Mangel darstellt.

«Identität ist allgegenwärtig und unwiderstehlich, denn sie lässt die Grenzen zwischen Selbst- und Fremddefinition verschwinden. Identität vereinfacht – Identität ist ein Konstrukt, ein «so tun als ob», sagt der Historiker Valentin Groebner. Geht es um Identität, vollziehen alle Beteiligten magische Riten. Groebner zerlegt den Begriff der Identität – insbesonder im Tourismus – in Einzelteile, so dass sogar Hans Peter Danuser von Platen der Ton im Alphorn stecken bleibt. «Das echteste an der Kapellbrücke sind die Geranien, mit denen sie geschmückt ist», provoziert Groebner. Notabene stammen Geranien eigentlich aus Südafrika. Die Pflanze ist in unseren Breitengraden erst seit 1904 heimisch. Für Groebner versteckt sich hinter der historischen Identität eine Lücke. Darum will Identität ununterbrochen inszeniert werden. Identität ist ein Hinweis auf Mangel, ein Loch. Es ist der Zwang, sich ständig selber zu vermarkten. Für Groebner ist klar: Gutes Storytelling kommt nur ohne Identität aus.»

centerforstorytelling.org