Rimini Protokoll – Ein Schauspiel in 5 Akten

By Curious About, 3. Juni 2013

Die Theater Gruppe Rimini Protokoll hat im Jahr 2009 rund 200 Gäste an die Aktionärs-Hauptversammlung von Daimler AG eingeladen, um die Veranstaltung als Bühnenstück zu verfolgen: Ein Schauspiel in 5 Akten.

Anders als die 6 600 Aktionäre erhielten die Gäste von Rimini Protokoll ein Programmheft mit Beiträgen zum Phänomen Hauptversammlung, gesehen aus verschiedensten Perspektiven, sowie eine akribische Beschreibung der einzelnen Akte.

«Die vornehmlich älteren Aktionäre stürzen sich im ersten Akt auf das Frühstücks-Buffet. Irgendwo fällt eine Rentnerin hin. Maria Wolgarst steht etwas abseits, hält eine Tasse Tee in der Hand und blickt auf das Spektakel. Das ist Theater extrem. Wir beobachten einfach, was hier geschieht , sagt die Theaterzuschauerin.

[…]

Zu Akt zwei gibt es zudem eine Checkliste zu den vorgeschriebenen Protokoll-Punkten einer Aktionärsversammlung. Werden die Aktionäre begrüßt? Wolgarst hakt den Punkt ab. Applaus gespendet? Abgehakt. Gedenken an die Toten. Abgehakt. Vorstellung des Notars. Abgehakt. Nochmal Applaus? Abgehakt. Eine solche Versammlung ist ein Ritual , sagte Daniel Wetzel von Rimini Protokoll. An sich ist es kein Ereignis, hier geht es nicht um Neuigkeiten. Wann geklatscht wird, steht vorher fest. Vielmehr sei die Versammlung als eine Bühne zu sehen, auf der jeder seine Rolle spiele – Redner, Zuschauer, Hostessen und Journalisten. Denunzieren wollen die Theatermacher das Groß-Unternehmen damit nicht, nur auf Versammlungen als eine Art Schauspiel aufmerksam machen.»

von focus.de, rimini-protokoll.de, www.cicero.de

via Peter Stephan